Die in 60 Jahren gewachsene Harmonie zwischen ihren beiden Städten feierten Périgueux und Amberg mit einem Festkonzert zweier Chöre. Aus dem Périgord angereist kam das Ensemble Vocal de Périgueux, für Amberg sang die Amberger Chorgemeinschaft.

Das Ensemble Vocal de Périgeux, das in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiern kann, eröffnete unter der Leitung von Anne Maugard das Festkonzert, mit dem die Städtepartnerschaft zwischen dem oberpfälzischen Amberg und dem 1200 Kilometer weiter südwestlich gelegenen Périgueux offiziell ihren 60. Geburtstag feierte. Das französische Ensemble präsentierte vor allem Werke französischer Komponisten aus verschiedenen Epochen, einfühlsam und geschmeidig am Klavier begleitet von Claire Marin.

Die beiden Chöre boten mit überwiegend jeweils von französischen bzw. deutschen Komponisten gewählten Werken einen wunderbaren Einblick in die Chortraditionen ihrer Länder. Mit zwei Weihnachtsresponsorien von Johann Michael Haydn eröffnete das Ensemble Vocal das Konzert: In „Hodie nobis“ (Nr. 2) und „Beata viscera Mariae Virginis“ (Nr. 7) wurde der Text durch die homophone Gestaltung verständlich dargeboten und die Freude über das Weihnachtsgeschehen in bewegten Achteln verkündet. Das berühmte Requiem op. 48 von Gabriel Fauré wurde in zwei Auszügen präsentiert: Den Beginn (1. Introit & Kyrie) sowie das gegen Ende gesetzte „Libera me“ (Nr. 6) sang das Ensemble Vocal in angemessen zurückhaltender Dynamik, so dass die anmutigen Melodien und die schwebende Harmonie die tröstende Botschaft des Werkes entfalten konnten.

Claude Debussy komponierte seine „Romance“ zu einem Gedicht von Paul Bourget, in dem es um eine Frau mit gebrochenem Herzen geht, die sich fragt, warum sie von ihrem Geliebten verlassen wurde.

Das Ensemble Vocal de Périgueux vor dem Auftritt – gleich geht der Vorhang auf!

Henri Duparc – aus derselben Epoche wie Debussy und Fauré – legte seinem „La vie antérieure“ ein Gedicht von Charles Baudelaire zugrunde. Dieses Lied gilt aufgrund seiner perfekten Verbindung von Text und Musik als Höhepunkt des französischen Chansons. Das Ensemble Vocal gab dem exotischen Inhalt, in dem sich das lyrische Ich nach einem früheren Leben in orientalischer Pracht sehnt, geschmeidigen und kraftvollen Ausdruck. – Das „O magnum mysterium“ von Morten Lauridsen hat sich zu einem Klassiker moderner Chormusik entwickelt. Der französische Chor präsentierte es unter dem konzentrierten und eleganten Dirigat von Anne Maugard in seinem mystischen und geheimnisvollen Charakter, der durch das Zusammenspiel von leisen Passagen und überraschenden Dissonanzen erzeugt wird. 

Den Abschluss des ersten Teils bildete noch einmal ein Werk von Gabriel Fauré: „Cantique de Jean Racine“, op. 11, eine Jugendkomposition, in der sich bereits Faurés Genie zeigte. Das Ensemble Vocal gab den langen, schwebenden Melodien, die eine romantische und zugleich präzise harmonische Sprache mit einer eleganten, modernen Note verbinden, Atem und Klang, der begeisterte.

Nach der Pause folgte im zweiten Teil die Amberger Chorgemeinschaft, bevor am Ende beide Chöre zusammen sangen. Dieter Müller hatte romantische und moderne Chormusik von deutschen bzw. deutschsprachigen Komponisten ausgewählt (mit einer Ausnahme). Die bekannte Hymne „An die Musik“ von Franz Schubert stand am Anfang, die die Musik als tröstliche und befreiende Kraft preist. „Sechs Lieder im Freien zu singen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy präsentierte die Chorgemeinschaft anschließend – romantische Chorsätze, die durch ihre Naturverbundenheit, poetische Inspiration und eine scheinbar einfache, volkstümliche Ästhetik charakterisiert sind. Dieter Müller hatte dazu eine Klavierfassung geschrieben, die Ludmila Portnova am Klavier präzise und kunstvoll musizierte. Einen Spagat zwischen Romantik und Moderne stellte das von Müller komponierte Werk „Mondbeglänzte Zaubernacht“ dar, in dem ein Text des romantischen Dichters Ludwig Tieck in der Tonsprache der Moderne der Bewunderung der Naturschönheit und dem Sehnen nach Geborgenheit Ausdruck verleiht.

Die Blick auf die Schönheit der Natur war das Bindeglied zu „Northern Lights“ des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo, in dem der Zauber der tanzenden Nordlichter thematisiert wird, ungewöhnlicherweise mit dem lateinischem Text aus dem Hohelied Salomos: „Pulchra es, amica mea“. Die Amberger Chorgemeinschaft meisterte die Anforderungen des mit Dissonanzen und exponierten Einsätzen spielenden Werks mit Bravour. Sowohl dieses als auch die beiden folgenden Werke wurden a cappella gesungen. Zwei Nachtlieder von Johannes Brahms wurden in typisch romantischer Gebanntheit an die Sehnsucht und an Weltschmerz atmosphärisch passend „in süßem Rauschen“ vorgetragen: „In stiller Nacht“ und „Waldesnacht“.

Den Schlusspunkt dieses Teils setzte Robert Schumanns Vertonung eines Gedichts von Emanuel Geibel, „Im Schatten des Waldes“, ein musikalisch anspruchsvolles und lebendiges Stück, das die romantische Faszination für eine als frei und unkonventionell empfundene Lebensweise eindrucksvoll musikalisch umsetzt. Dieter Müllers exaktes und temperamentvolles Dirigat leitete die Chorgemeinschaft sicher zum harmonischen Schlussakkord.

Im dritten Teil sangen die beiden Chöre zusammen – ein schönes Symbol für die völkerverbindende Kraft der Musik! Anne Margaud dirigierte „Mon cœur se recommande à vous“ von Orlando di Lasso und „Calme des nuits“ von Camille Saint-Saëns, Dieter Müller den 42. Psalm („Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“) von Mendelssohn-Bartholdy. Die vereinte französisch-deutsche Stimmgewalt wirkte sich hörbar positiv bei den Forte-Passagen aus, und doch gelangen die leisen Takte fein und gepflegt – ein Beweis für die Chorerfahrung beider Ensembles.

Ensemble Vocal de Périgueux und Amberger Chorgemeinschaft gemeinsam auf der Bühne

Andauernder und begeisterter Beifall erfüllte anschließend das Stadttheater, und der Bürgermeister von Périgueux, Emeric Lavitola, der ebenfalls im Publikum war, dankte den Chören am nächsten Tag im Rahmen des Festakts im Rathaus:

„… des deux chorales qui nous ont proposé hier soir un magnifique concert. Que l’ensemble vocal de Périgueux et l’Amberger Chorgemeinschaft en soient remerciés. Je remercie également la Ville d’Amberg pour avoir rendu possible ce projet. […]
Périgueux et Amberg ne sont pas seulement deux villes jumelées. Elles sont deux visages d’une même Europe : celle de la paix, du respect et de l’espérance.
Vive Amberg, vive Périgueux, et vive l’amitié franco-allemande au cœur de l’Europe !”

„… die beiden Chöre, die uns gestern Abend ein großartiges Konzert geboten haben. Dem Vokalensemble aus Périgueux und der Amberger Chorgemeinschaft sei dafür gedankt. Ich danke auch der Stadt Amberg dafür, dass sie dieses Projekt ermöglicht hat. […]
Périgueux und Amberg sind nicht nur zwei Partnerstädte. Sie sind zwei Gesichter ein und desselben Europa: Das Europa des Friedens, des Respekts und der Hoffnung.
Es lebe Amberg, es lebe Périgueux, und es lebe die deutsch-französische Freundschaft im Herzen Europas!“

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